Soziales Unternehmertum ist wichtiger denn je. In Zeiten nicht endender Umweltverschmutzung, fehlender Bildungsmöglichkeiten für benachteiligte Gruppen und verpasster Chancen, Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung einzurichten, ist es bedeutend für Unternehmen ein Zeichen zu setzen. Die Notwendigkeit ist ersichtlich, jedoch ist der Trend von einer sozialeren Umsetzung für alle noch lange nicht so weitreichend etabliert, wie man denken könnte.

In welchem Stadium befindet sich gerade der Wandel zum sozialen Unternehmertum und inwieweit trägt Deutschland dazu bei, ihn voranzubringen?

In diesem Artikel schauen wir uns den Begriff soziales Unternehmertum näher an. Darüber hinaus erfährst du anhand von allgemeinen Beispielen weltweit und in Deutschland, welche Rolle Nachhaltigkeit in dieser Unternehmensform spielt.

Wie lässt sich soziales Unternehmertum definieren?

Wie oben beschrieben, baut das System eines sozialen Unternehmens auf Faktoren der Inklusion und Verbesserung von weltweiten Problemen auf. Sowohl Non-Profit-Organisationen (NPO) als auch traditionelle Unternehmen können die Rolle des sozialen Unternehmertums ausführen. 

Hierbei ist zu unterscheiden, dass NPOs weitaus mehr Spielraum in ihrer Arbeit haben. Weder Staats- noch öffentliche Behörden haben Einfluss auf ihre Handhabe. Sie sind finanziell selbstständig. Mittels Verkäufen eigener Produkte, Mitgliedsbeiträgen von Befürwortern ihrer Vision, sowie Spenden von Privatpersonen erzielen NPO einen Standard weiter die Arbeit verrichten zu können.

Aber auch normale Unternehmen folgen immer häufiger dem Modell, einen Mehrwert für die Allgemeinheit zu erzielen. Der letztliche Erfolg des Unternehmens wird dann nicht mehr in Profiten gemessen, sondern inwieweit ein gesellschaftlicher Nutzen durch die geleistete Arbeit entstanden ist.

Mehr zum Thema NPOs und wie du sie gründest, findest du auf unserem Blog.

Was sind Beispiele für soziales Unternehmertum?

Soziales Unternehmertum ist vielseitig. Die aufgelisteten Beispiele sind in den unterschiedlichsten Branchen tätig und helfen spezifischen Gruppen.

Finley’s Barkery

Angie Gallus, Gründerin von Finley’s Barkery, erkannte nicht nur, dass der Haustiermarkt Kunden besitzt, die bereits sind, jeden Preis für ihre felligen Begleiter zu zahlen. Sie sah auch die fehlende Inklusion von Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt. Im Speziellen in der Marketing- und Werbebranche. Seit 2016 schuf sie Beschäftigungen innerhalb ihrer Firma, die es Menschen mit Behinderung ermöglichte, über 7.000 Stunden bezahlter Arbeit nachzugehen.

Finley’s Barkery nutzt 50 % des Einkommens für Initiativen und deren Ziel, Bildung, Training, Erweiterungen der Barrierefreiheit sowie Gesundheit und Wohlbefinden von Menschen mit körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen zu verbessern. Mit dem Blick auf das, was möglich ist, versucht sie Wissen zu schaffen, dass letztlich mehr Menschen mit Behinderung in den Arbeitsmarkt mit eingebracht werden können.

MPOWERED

Über 3 Milliarden Menschen haben weitaus schwere Wege hinter sich zu bringen, um z.B. zur Arbeit zu gehen. Fehlende Infrastruktur, Krieg, Armut, alles sind Faktoren, die Menschen einschränken sich zu entfalten, dem nachzugehen, was sie machen wollen. Wir reden hierbei nicht von riesigen Projekten. Alleine der Weg zum Brunnen in der Dunkelheit hält Menschen davon ab, notwendiges Trinkwasser zu holen. Hier kommt MPOWERED ins Spiel.

Seit 2012 erstellt MPOWERED Innovationen, die in einer Hand getragen werden können. Mit ihrer Technologie können sie saubere, zuverlässige und erneuerbare Energie bieten. Diese Energie fördert Bildung, Sicherheit, Gesundheit sowie wirtschaftliches Empowerment. 

Darüber hinaus hilft die Technologie direkt gegen die Notwendigkeit weiterhin fossile Brennstoffe zu nutzen und damit gegen den Klimawandel. Das Modell von MPOWERED investiert die Einnahmen von Verkäufen zurück in die Produktion, wodurch die Kosten für ärmere Länder gesenkt werden können.

S.H.A.R.E – Foundation

Die in 2005 von Gavin Oldham OBE gegründete Stiftung ‘The Share Foundation’ ist in der Entwicklungshilfe tätig. Ziel ist es, Menschen mit jedem Hintergrund die Möglichkeit zu geben sich zu verwirklichen.  

Oftmals fehlt das Kapital, um eine eigene Firma zu gründen. Wenn diejenige Person oder eine Gruppe von Personen als nicht kreditwürdig angesehen werden, können diese eine soziale Mikrofinanzierung über die Stiftung erhalten. 

Hierbei wird darauf geachtet, in welchem Land die Interessenten leben, welches Projekt sie verwirklichen wollen und inwieweit ein Mehrwert für die dort lebende Gesellschaft möglich ist.

S.H.A.R.E dient jedoch nicht nur als Geldgeber, sondern auch als Hilfesteller bei den weiteren Schritten zur Unternehmensgründung. Die unterstützten Personen erhalten sozial ausgerichtete Begleitmaßnahmen, wie eine ergänzende Berufs- und Lebensausbildung. 

Des Weiteren folgen Schulungen in Marketing und Vertrieb. Daher können diese wichtigen Begleitmaßnahmen bis zu 60 % der Programmkosten ausmachen. Viele Teilnehmer konnten seither ein für sich erfolgreiches Unternehmen gründen, was ohne die Finanzierung nicht möglich gewesen wäre.

Soziales Unternehmertum in Deutschland

Auch innerhalb Deutschlands findet die Idee hinter einem sozialen Unternehmertum immer mehr Befürworter. Vereinzelt integrieren Universitäten Lehrstühle, die den Fokus auf Social Entrepreneurship legen und damit hoffen, weitere Gründerinnen und Gründer darin zu bestärken, das soziale Unternehmertum auszubauen. 

Auch Google unterstützt das Wachstum mit Fördermitteln und Networking. Der Markt verspricht in der Zukunft stetig zu wachsen, da immer mehr Investoren den Mehrwert dahinter erkennen.

Um den Sinn und die Botschaft von sozialen Projekten an die Menschen in Deutschland zu bringen, involviert sich das Social Impact Lab Stuttgart darum, ihre Vision von einer lösungsorientierten Gesellschaft weiterzugeben. Zu ihren Themenpunkten gehören der Klima­wandel, Fragen der Migration und Integration sowie Rechts­populismus.

Wie auch EWOR mit Experten und Seminaren interessierte Unternehmer darin unterstützt, ihren Werdegang zur Selbstständigkeit zu verwirklichen, lehnt die Social Impact Lab Stuttgart zu einem Schwerpunkt im sozialen Bereich.

Nachfolgend schauen wir uns etablierte Firmen sozialen Unternehmertums in Deutschland an und in welchen Bereichen sie Fuß fassten.

Manomama

In 2010 gründete Sina Trinkwalder mit Manomama das erste ökosoziale Textilunternehmen in Deutschland. Was ist unter einem ökosozialen Textilunternehmen zu verstehen? 

Alle Materialien für die Herstellung von Textilien sind ausschließlich Ladenhüter bzw. Deadstock-Material oder eigene Recycling-Biofasern. Aber das Unternehmen bietet weitaus mehr, als nur die Verwendung von ökologischem Material.

Monomama bringt Menschen ohne Qualifikation in der Textilbranche zusammen, ohne auf Basis des bisherigen Lebenslaufes zu entscheiden. Der Mensch selbst ist an oberster Stelle und nicht das, was einen höchstmöglichen Umsatz erzielt. 

Unterschiedlichste Nationalitäten sowie Jahrgänge finden sich zusammen, mit dem Ziel, die umweltschonende Mode weitergeben zu können. 

Seit der Gründung arbeiten über 120 Menschen in der Herstellung von Textilien, die zuvor aus anderen Branchen stammten. Nach einer Einarbeitungsphase und einer ersten Bewährungsprobe ist es ihnen überlassen, ob sie weiterhin dem speziellen System folgen möchten. Anhand des stetig wachsendem Unternehmens ist die Entscheidung vieler Mitarbeiter ersichtlich.

HiMate!

Die Flüchtlingskrise in 2015 war der Grund, weshalb HiMate! ins Leben gerufen wurde. Der Austausch zwischen Kulturen wird mit Events und kleineren Meetups auf regelmäßiger Basis in Berlin gelebt. 

Über 60 Partner unterstützten das Projekt, das seit Gründung über 15.000 Geflüchtete mit Menschen aus der Umgebung zusammenbrachte. Oftmals sind es nicht fehlende finanzielle Mittel oder die Wohnsituation, die es den vor Krieg geflohenen Menschen fehlt. Menschliche Interaktion, das Gefühl Teil der Gesellschaft zu sein, ist ein essenzieller Faktor, den HiMate! erkannt hat. Finanziert wird das soziale Unternehmen durch Spenden.

Auf ihrer Homepage findest du eine Vielzahl von Veranstaltungen, die jeder besuchen kann.

Soziales Unternehmertum: Ein Blick in die Zukunft

Nachhaltigkeit ist einer der Faktoren, den viele soziale Unternehmen verfolgen. Er kann als ein Meilenstein, gar ein Endziel betrachtet werden. Im Speziellen die jüngeren Generationen sehen einen Mehrwert darin. Was genau bedeutet es, als Unternehmen nachhaltig zu sein?

Vereinfacht bedeutet Nachhaltigkeit, dass danach geschaut wird, Rücksicht auf die folgenden Generationen zu nehmen. Als Beispiel sollte bei einer nachhaltigen Holzverarbeitung nicht mehr gefällt werden, als auch nachwachsen kann.

Wie wir oben schon beschrieben haben, sehen auch Investoren einen größeren Mehrwert darin, soziales Unternehmertum zu unterstützen. Das sogenannte Impact Investing ist eine Form von Investition, die ausschließlich als Förderungen nachhaltiger, sozialer sowie ökonomischer Projekte nachgehen. 

Hierbei versucht der Investor nicht einen direkten finanziellen Gewinn zu erzielen. Ungeachtet des Ziels, das der Hauptteil von Investoren nachgehen, zeigt die Prognose einen starken Zuwachs an Kapital in soziale Projekte.

Für weitere Informationen zu dem Thema Impact Investing findet ihr in unserem Blog mehr.

Den aktuellen Zahlen nach zu urteilen, sieht die Zukunft für soziale Unternehmen vielversprechend aus. Auch der Wandel in der Politik weltweit zeigt, dass die Kooperation von Unternehmen und Nachhaltigkeit in den folgenden Jahren mehr in den Fokus geraten wird. 

Die Probleme, die wir schon zu Beginn des Artikels genannt haben, existieren schon seit Jahrzehnten, teilweise Jahrhunderten, doch mit der neuen Denkweise sowie den notwendigen Hilfsmitteln, treten Menschen in die Schuhe von Gründern, die den Status quo nicht mehr akzeptieren.

About the author
EWOR Team

EWOR ist eine Schule, die von Europas besten Professoren, Unternehmern und Branchenführern konzipiert wurde. Wir bilden junge Innovatoren aus und betreuen sie, damit sie erfolgreiche Unternehmen gründen können. Dieser Artikel wurde von Alexander Al-Jenabi verfasst.

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