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Fühlst du dich unwohl in deinem Beruf? Erwägst du einen Jobwechsel? Bist du unsicher, wann oder wie du diesen Schritt vollziehen solltest?

Das EWOR-Team hatte das Vergnügen, sich mit einem seiner Mitglieder, Komiljon Nasrullaev, zusammenzusetzen. Derzeit arbeitet Komiljon als Data Scientist in Usbekistan, aber sein Weg verlief nicht immer linear.

Komiljon erzählte uns von seinem Studium, seinen Leidenschaften und davon, dass diese Punkte während seiner ersten Jobs, nicht im Einklang standen. Wir haben mit ihm auch über seine Liebe zur Mathematik gesprochen und darüber, wie Mathematik ihm während seiner bisherigen Zeit an der Akademie geholfen hat.

Das Zusammenspiel von Karriere und Leidenschaft

Nach der Schule begann Komiljon ein Bachelor-Studium in Erdöltechnik. Einige Monate darauf realisierte er, dass dieses ihm weniger Spaß machte, als angenommen. Er entschied deshalb, zu etwas wechseln, das mehr Mathematik beinhalten würde. Glücklicherweise fand er das Richtige mit dem Bauingenieurwesen und spezialisierte sich daraufhin im Bereich der Berechnungsmechanik.

Komiljon setzte sein Studium mit einem Master in Dresden fort und entwickelte dabei ein zunehmendes Interesse am Programmieren. Sein erster Job war die Position eines Full-Stack-Developers, bei dem er das Front-End und Back-End der Firmenhomepage entwickelte. „Dann merkte ich, dass ich mich langweilte”, gestand er. „Ich nutzte dabei keine Mathematik, weder Zahlen noch Statistiken.”

„Der richtige Moment für den Wechsel

Nach etwas Zeit in der Projekt- und Lösungsentwicklung begann Komiljon, über seinen beruflichen Werdegang nachzudenken. Wo sah er sich in fünf, zehn, fünfzehn Jahren? Seine derzeitige Karriere erfüllte ihn nicht und er strebte nach mehr.

„Wenn ich mich von der Mathematik wegbewege, habe ich das Gefühl, mich selbst zu verlieren”, erklärte er. Das war der Auslöser, der ihn erkennen ließ, dass es Zeit für eine Veränderung war. Komiljon begann zu recherchieren, wie er seine Leidenschaft für Mathematik mit dem Programmieren verbinden konnte, um eine erfüllendere Tätigkeit zu finden.

Er nutzte das Internet und die dortigen Onlineforen, um die Auswahl auf drei mögliche Bereiche einzugrenzen. Reine Mathematik, Informatik und Data-Science. Anschließend schaute sich Komiljon YouTube-Videos an und recherchierte jeden dieser Themenkomplexe, um herauszufinden, ob er darin aufgehen könnte und ob sie für ihn interessante Herausforderungen zu bieten hatten.

Von den dreien hatte Data Science es ihm am meisten angetan. „Dabei lernt man, Trends und Verhaltensweisen zu erkennen, Entscheidungen zu treffen und Vorhersagen zu kalkulieren”, sagte er uns. „Es ist komplett mathematischer Natur.” Der angehende Datenwissenschaftler begann auf eigene Faust zu lernen und belegte zunächst einen Udemy-Kurs und im Anschluss ein intensives Bootcamp, um mehr praktische Erfahrungen zu sammeln.

Er weiß, dass es nicht immer einfach ist, sich umzuorientieren, denn es gibt persönliche und finanzielle Überlegungen, die berücksichtigt werden müssen. „Aber ich gehe gerne Risiken ein, denn ich mag Herausforderungen”, sagt er lachend. Ein Karrierewechsel mag unbequem sein, aber das ist ihm allemal lieber, als sich mit etwas zu langweilen, das er nicht tun will.

Aktuell baut Komiljon seine Karriere in dem von ihm gewählten Bereich auf, aber er erwägt eine weitere Veränderung…

Der Wechsel zum Unternehmertum

Komiljon erägt jetzt, sein eigenes Unternehmen zu gründen. Seine Ideen sind zwar vertraulich, aber er gab uns interessante Einblicke in seine Denkweise und das, was er bisher als EWOR-Mitglied gelernt hat.

Eine Sache, die Komiljon bei EWOR besonders schätzt, ist die Struktur des Unterrichts. Seiner Meinung nach „ist es zeitaufwändig und ineffizient, 50-70 Themen über vier Jahre hinweg zu studieren und diese dann im Berufsleben anwenden zu können.” Es sei zielführender, ein Thema auszuwählen, dieses ein paar Monate lang zu verinnerlichen, es praktisch anzuwenden und dann, je nach Bedarf, weitere Kurse und Lektionen wahrzunehmen.

Die Möglichkeit, sich zu vernetzen und von erfahrenen Unternehmern zu lernen, ist ein weiterer Bonus für Komiljon. „Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, denn es wurde bereits erfunden. Wir können deshalb von den Erkenntnissen anderer lernen und diese weiterentwickeln”, bemerkte er.

Seine Erfahrungen in der Mathematik prägen auch intensiv seine Herangehensweise an das Unternehmertum. Als er in der 9. Klasse zur Schule ging, belegte er den ersten Platz bei einer regionalen Mathematikolympiade und ein paar Jahre später wurde er Dritter bei den nationalen Wettbewerben. Davon ausgehend war es sein Ziel, Silber oder Gold bei der Internationalen Mathematikolympiade zu erreichen. Dieses Ziel erreichte er zwar nicht vor seinem Studium, jedoch schließlich bei der Offenen Internationalen Mathematik-Olympiade, die im Mai 2013 in der Russischen Föderation stattfand.

Die Jagd nach diesen Auszeichnungen hat ihn Ausdauer und Durchhaltevermögen gelehrt. Komiljon erzählte uns, dass er, wenn er ein Ziel hat, nie aufhört zu arbeiten –  bis er es erreicht hat. Dies ist eine Eigenschaft, die er mit einigen der klügsten Unternehmer der Welt teilt.

Als wir ihn fragten, wie er es letztendlich geschafft hat, Probleme zu lösen, die ihm zuvor unlösbar erschienen, antwortete Komiljon: „99% des Erfolgs resultiert aus Übung.” Je intensiver du versuchst, ein Problem zu lösen, desto stärker beginnt dein Gehirn, es aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Wenn du an einem Problem dranbleibst, ändert sich dein Blickwinkel und dir öffnen sich neue Wege, es anzupacken”, sagte er. Komiljon hat herausgefunden, dass dies eine der vielen Möglichkeiten ist, Mathematik mit der Wirtschaft und dem Unternehmertum zu vereinbaren.

Obwohl er nicht weiß, was als Nächstes kommt, bereut Komiljon die beruflichen Veränderungen, die er durchlaufen hat, keineswegs. „Nicht jede davon war optimal, aber die grundsätzliche Strategie geht auf.”

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