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Studierst du Technik, Biowissenschaften oder Chemie und hast eine brillante Idee? Könnte deine Forschung in ein erfolgreiches und lukratives Unternehmen umgewandelt werden?

Das EWOR-Team sprach mit Jan Engels, dem Mitbegründer von Opharmic Technology, über seine Erfahrungen mit der Gründung eines Biotech-Unternehmens während seiner Zeit als Doktorand.

Während seines Bachelorstudiums der Biotechnologie in Deutschland ging Jan Engels im Rahmen eines Austauschs nach Hongkong, um seine Doktorarbeit zu schreiben. Er verliebte sich in die Stadt und bekam die Möglichkeit, ohne Masterabschluss direkt zu promovieren und mit seiner Forschung über Biosensorsysteme und Nanopartikel zu beginnen.

Neben seinem Studium gründete Jan ein Start-up für medizinische Geräte. Er erinnert sich, dass er in Teilzeit daran arbeitete und seine Abende und Nächte dem Unternehmen widmete. Nachdem er 2016 seinen Doktortitel erworben hatte, widmete Jan seine gesamte Zeit dem Start-up. „Wir kamen schnell voran, hatten eine erfolgreiche Investitionsrunde hinter uns und viel Forschung und Geschäftsentwicklung betrieben”, sagt er stolz.

Nach zehn Jahren in Hongkong zog Jan zurück nach Deutschland und „wechselte die Seiten”, um bei einem VC-Fonds einzusteigen. Trotzdem beantwortete er alle unsere Fragen, von den größten Herausforderungen bis hin zu seinen besten Ratschlägen für angehende Unternehmer in der Biotech-Branche.

Wie du ein Business während des Studiums ins Leben rufst

Jan berichtete uns zunächst, dass sich der Bereich der Medizintechnik stark von seinem Doktoratsstudium unterscheidet, da er nicht nur rein biologische und wissenschaftliche Herausforderungen beinhaltet, sondern auch technische. „Für potenzielle Unternehmer oder Gründer, die promoviert haben, ist es nicht immer notwendig, dass die eigene Forschung zum nächsten großen Start-up wird – man kann sich auch mit einem Co-Founder zusammentun und dessen Forschungspotenzial zum Leben erwecken”, sagt er.

Wir haben ihn gefragt, welche seine ersten Schritte waren, nachdem er sich entschieden hatte, wie sein Unternehmen aussehen sollte. Jan erklärte, dass der Forschungs- und Entwicklungsprozess in der Medizintechnik und den Biowissenschaften oft mit einer Doktorarbeit und Forschungsarbeit beginnt, die durch Universitäts- und Forschungsstipendien finanziert wird, und bemerkt: „In einigen Ländern gibt es großartige Stipendien und Fördermittel, um R&D-Spin-offs aus der Universitätsforschung hervorzubringen.

Jan zeigte sich angenehm überrascht von den Anstrengungen, die einige Universitäten unternehmen, um Studenten zum Unternehmertum zu ermutigen. Er erwähnte, dass die Universitäten früher neuartige Forschung und Entwicklung an private Unternehmen vermietet haben, um Geld zu verdienen. „Jetzt geht der Trend vermehrt dahin, dass die Universitäten mit Entrepreneurship-Zentren, Start-ups und Spin-offs für sich werben”, erklärte er.

Er hatte zum Beispiel das Glück, von einem Supervisor unterstützt zu werden, der ebenfalls unternehmerisch tätig war und ihn ermutigte, zu Konferenzen und Businessplan-Wettbewerben im Ausland zu gehen. Aus Sicht der Reputation ist es gut für die Universität, hochkarätige Kandidaten zu diesen Veranstaltungen zu schicken.

Die Herausforderungen bei der Gründung eines Biotech-Unternehmens

Es dürfte dich nicht überraschen, dass es in der Biotech-Branche viele Herausforderungen gibt, die man als Gründer bewältigen muss. Jan hat uns über einige davon aufgeklärt, mit denen er konfrontiert war, während er sein MedTech-Startup gründete:

  • Finanzierung. Obgleich ein Teil der Finanzierung von Universitäten und Forschungsinstituten kommen kann, kann es schwierig sein, Investoren zu überzeugen, wenn du zusaätzliches Kapital benötigst. „Manche Investoren, vor allem ehemalige Investmentbanker, die keine Erfahrung im Bereich der Biowissenschaften haben, sind schockiert, wenn sie hören, dass das Produkt in 5, 7 oder sogar erst 10 Jahren auf den Markt kommen könnte”, erzählt Jan. Diese Investoren wollen schnelle Renditen. Zum Glück gibt es einige auf Biowissenschaften spezialisierte Fonds, die die Risiken und Herausforderungen kennen und das Potenzial solcher Start-ups fördern.
  • Marktreife. Wie bereits erwähnt, kann es für Medizintechnik- und Biowissenschaftsunternehmen Jahre dauern, ein Produkt auf den Markt zu bringen. „Wenn du anfängst, mag die grundlegende Forschung und Entwicklung vielversprechend laufen, aber es gibt so viele Schritte zu absolvieren: mehrere Runden von Tierversuchen, dann Tests am Menschen, Zulassungen usw. „Bevor du eine Finanzierung bekommst, musst du vielleicht von deinen Ersparnissen leben”, warnte der Unternehmer.
  • Regulierung. „Für Neugründer stellt das die größte Herausforderung dar”, erklärte Jan. Wie zu erwarten, steckt die Biotechnologie- und Medizintechnikbranche voller Vorschriften, um sicherzustellen, dass nur die besten Produkte auf den Markt kommen. Um dem entgegenzuwirken, betont Jan, wie wichtig es ist, frühzeitig die richtigen Leute einzustellen, auch solche, die bereits Erfahrung im Umgang mit Vorschriften haben. Es ist auch empfehlenswert, sich mit einem guten Beraterstab zu umgeben.
  • Ausrichten deines Kundenstammes. Bei einem Medizintechnik-Start-up musst du bedenken, dass „die Kunden deutlich komplexer sind als in anderen Branchen”. Man würde erwarten, dass die Kunden die Patienten sind, aber sie sind oft nur diejenigen, die von deinem Produkt profitieren, nicht diejenigen, die es kaufen. „Als Unternehmer willst du den Patienten helfen, du bist leidenschaftlich dabei, einen medizinischen Bedarf zu decken, aber auf der anderen Seite musst du den Arzt davon überzeugen, das Produkt zu benutzen und die Versicherung davon, es abzudecken”, erklärt Jan.
  • Erfolgsmessung. Der lange Gründungsphase eines Biotech-Start-ups kann bedeuten, dass es schwierig wird, den Erfolg zu messen. Der Prozess kann sich über Jahre hinziehen, deshalb rät Jan, ihn in erreichbare Meilensteine zu unterteilen, die sich auf die Mittelbeschaffung, die Entwicklung des Prototyps und den Fortschritt der Versuche beziehen.

Wertvolle Tipps für angehende Biotech-Gründer

Jan hat mit uns seine wertvollsten Erkenntnisse geteilt, wenn es darum geht, Studium und Unternehmertum unter einen Hut zu bekommen.

  • Lass dich nicht davon abschrecken, dass du noch studierst. Dieser Umstand könnte dir sogar nützlich sein. „Falls deine Zeit und deine Vorgesetzten es zulassen, ist es eine gute Idee, schon während des Studiums anzufangen”, erklärt Jan. Du bekommst Unterstützung, Schutz und ein Netzwerk durch deine Institution.
  • Suche Rat. „Sei nicht schüchtern oder zu stolz, um Hilfe zu ersuchen”, betonte er. Es ist ein Muss, dein Netzwerk und die dir zur Verfügung stehenden Ressourcen zu nutzen. Bezugnehmend auf seinen ersten Punkt wies Jan auch darauf hin, dass einige Berater und Fachleute dir gerne kostenlose Ratschläge geben, sofern du ein junger Einsteiger bist.
  • Stelle frühzeitig und smart ein. Jan gesteht, dass er es bedauert, nicht schon früher eingestellt zu haben. „Als angehender Gründer kannst du nicht alles wissen. In jedem Bereich ist die Einstellung der wichtigste Schritt – in einem Start-up hast du nur begrenzte Kapazitäten, daher hat eine falsche Entscheidung verstärkt negative Auswirkungen”, betont er.

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