Inhaltsverzeichnis

Falls du Architektur studierst oder berufstätig bist und dein eigenes Unternehmen gründen willst, dann kannst du dir sicher sein, dass du bereits etliche Fähigkeiten hast, die für die Gründung eines Start-Ups wichtig sind.

Mein Name ist Hans Sebastian von Bernuth und ich bin Gründer und Architekt. Ich bin hier, um dir zu erzählen, wie mein beruflicher Hintergrund mir beim Aufbau meines Unternehmens geholfen hat und auch weiterhin hilft.

Von der Architektur zum Business

Studienzeiten

Zuerst ein wenig über mich. Ich bin in Aachen aufgewachsen und habe ein Jahr der High School in den USA verbracht. Später begann ich mein Studium in München. Zunächst begann ich mit Medizin, wechselte dann aber zum Architekturstudium. Ich konnte mir damals einfach nicht vorstellen, mein Leben in einem Labor zu verbringen (Meine hauptsächlichen Interessen lagen in der Biologie und Biochemie).

Nach meinem Vordiplom in Architektur fragte ich mich, wo ich meine Ausbildung am besten fortsetzen sollte. Ich wollte einen Ort, der eine renommierte Universität mit der Nähe zu den Bergen verbindet (um meiner Leidenschaft für Skifahren und Bergsteigen nachzugehen) und eine Unterrichtssprache anbietet, die ich noch nicht beherrschte. Das bedeutete damals, dass ich etwas Hochkarätiges wählen musste, das nicht auf Deutsch oder Englisch unterrichtet wurde. Es gibt nicht viele Orte, die alle drei Bedingungen erfüllen, aber Lausanne in der Schweiz war die richtige Wahl. Hier beendete ich also mein Studium, brachte meine Skiskills auf ein höheres Niveau und lernte Französisch.

Als ob ich nicht schon genug zu tun gehabt hätte, studierte ich auch noch Betriebswirtschaftslehre per Fernstudium an der FernUniversität Hagen. Das ist eine ganz spezifische Bildungsinstituion, die das Fernstudium förderte, lange bevor Home Office und Videotelefonie zum Mainstream wurden.

Karriereanfänge

Nach meinem Diplom in Lausanne war ich begierig darauf, etwas Neues zu entdecken. Ohne lange zu zögern, zog ich an einen der entferntesten und extremsten Orte, die ich mir vorstellen konnte: Shanghai. Nach zwei intensiven Jahren in einem anderen Universum kehrte ich in die Schweiz zurück. Dort arbeitete ich für Herzog & de Meuron in Basel. Für mich war und ist das eines der besten – wenn nicht sogar das beste – Architekturbüro. Nachdem ich dort drei Jahre lang gearbeitet hatte, wurde mir klar, dass ich wenig Ambitionen hatte, in einer festen Hierarchie aufzusteigen. Ich wollte meine eigenen Entscheidungen treffen und meinen eigenen Stil definieren. Aber wie? Wohin gehst du, nachdem du für Real Madrid gespielt hast?

All meine Gebirgserfahrungen und meine Entdeckungsreisen durch die Welt entsprachen meinem Wunsch, mein eigener Chef zu sein, meinen eigenen Weg zu gehen, meine eigenen Fehler zu machen und meine eigenen Ziele und Errungenschaften zu erreichen, ohne die Starre einer vordefinierten Struktur zu erleben. 

Für mich war die Selbstständigkeit damals die einzig naheliegende, wenn auch schwierige Entscheidung. Und genau das habe ich seitdem verwirklicht. Ein paar Jahre lang lehrte ich an der RWTH Aachen, was mir die nötigen Voraussetzungen gab, um mit zwei ehemaligen Kollegen von Herzog & de Meuron ein Büro in Köln aufzubauen. 

Neuanfang


Wie man so schön sagt: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, mach einen Plan.” Vorhersehbarerweise kam es jedoch anders und als ich vor der Entscheidung stand, entschied ich mich wieder dafür, den unbekannten Weg zu gehen und neue Horizonte zu entdecken. 

Ich zog nach Chile, um mit meiner Freundin zusammen zu sein. Mit dieser Entscheidung musste ich bei Null anfangen. Ich musste lernen, wie Santiago funktionierte und wie ich mich als Architekt in einem fremden Land etablieren konnte. Ich habe dabei festgestellt, dass der Markt im Vergleich zu Deutschland viel offener und dynamischer ist und viel Platz für neue Ideen bietet. Natürlich haben auch die mächtigen Anden und die Schönheit des Landes zu meiner Faszination beigetragen. 

Im Moment arbeite ich hauptsächlich an modularen Häusern für den chilenischen Markt. Du kannst sie dir hier ansehen: www.laquilla.cl

Über den Architekturprozess

Was können wir also von der Architektur für den Aufbau eines Unternehmens lernen? Eine ganze Menge, wie sich herausstellte. Der kreative Prozess des Entwerfens ist der Gründung eines Unternehmens von Grund auf sehr ähnlich.

In den meisten anderen Bereichen beginnt man mit zahllosen Informationen. Zum Beispiel mit einer Menge Daten aus einer Umfrage oder einem Experiment. Diese Informationen müssen destilliert und analysiert werden. Das ist ein linearer Prozess mit vielen iterativen Schritten. Stell dir das Ganze wie einen Trichter vor, in den du oben viel hineinschüttest und die Ergebnisse unten in der umgekehrten Pyramidenform verdichtet zurückbekommst.

Auch der architektonische Prozess beginnt mit vielen Informationen, aber es fehlt eine klare Richtung oder eine eindeutige Methode. So viele Faktoren und Variablen beeinflussen den Verlauf und die Entwicklung eines Projekts, dass die Richtung, in die es gehen wird, unklar sein kann. 

Die Welt der Ergebnisse

Da es keine klare Unterscheidung zwischen richtig und falsch gibt, sind in der Architektur viele unterschiedliche Ergebnisse möglich. Wie du sie beurteilst, hängt von oft widersprüchlichen Kriterien ab. Ein Großteil des Prozesses ist also intuitiv und subjektiv.

Lass mich dir ein Beispiel geben. Für einen bestimmten Standort könntest du alles zwischen einem Hochhaus und einem Flachbau erwägen. Beide Extreme können sehr gute Optionen sein. Niemand und nichts kann objektiv entscheiden, was besser ist, besonders in den frühen Phasen eines Projekts. Welche Richtung du einschlägst, ist oft eine Frage des Zufalls, und die Inspiration kann aus scheinbar irrelevanten Quellen kommen.

Endlose Mengen von Parametern und Kriterien machen es unmöglich, einen klaren Weg durch all die Möglichkeiten und Zusammenhänge zu definieren. Der einzige Weg, um weiterzukommen, sind viele Experimente und eine Menge produktiver Fehlschläge. 

Im Rückblick haben der Prozess und der eingeschlagene Weg meist eine solide Logik und Kohärenz. Mittendrin ist jedoch die gleiche Aufregung wie bei einem neugierigen Entdecker zu spüren. Über das Ziel ist wenig bekannt, außer der Absicht, dort anzukommen. Lösungen müssen erfunden und verschiedene und oft unvereinbare Parameter müssen zusammengeführt werden. 

Hin & Her

Im Gegensatz zum linearen Prozess in den meisten anderen Bereichen lässt sich die Bewegung in der Architektur am besten als mäandernd oder als ein Hin und Her beschreiben. Bei all den Informationen konzentrierst du dich auf einen bestimmten Aspekt und umkreist ihn. Du prüfst die Zusammenhänge und entdeckst, welche Auswirkungen sie haben. Während du dich um ein bestimmtes Thema bewegst, tauchen neue Informationen auf und führen dich in eine neue Richtung, während du um den nächsten Aspekt herum kreist. 

Es kann vorkommen, dass du auf Punkte zurückkommst, die du bereits behandelt hast. Wenn du zum Beispiel tagelang versucht hast, die Grundrisse in eine Gebäudeform einzupassen, die du vor Wochen festgelegt hast, stellst du fest, dass dies nicht funktioniert. Stattdessen stellst du fest, dass eine andere Form, die du zuvor verworfen hast, wahrscheinlich viel besser passt.

Das kann ein frustrierender Moment sein, nachdem du so viel Zeit und Energie aufgewendet hast, nur um wieder dorthin zurückzukehren, wo du angefangen hast. Aber sei versichert, dass du dabei viel gelernt hast und der nächste Versuch schneller und fundierter sein wird. 

Mein eigenes Projekt ist ein gutes Beispiel dafür. Es hat ein ganzes Jahr gedauert, das Modell für unser erstes Haus zu entwerfen. Wir haben viel ausprobiert, sind gescheitert und haben immer wieder von vorne angefangen. Für das zweite Haus brauchten wir jedoch nur sechs Monate und für das dritte Haus nur zwei Monate. 

In jedem weiteren Projekt steckte die geballte Intelligenz der Erfahrung des Vorangegangenen. Auch dank EWOR bin ich dabei, neue Wege zu beschreiten, Kontakte zu Menschen aus verschiedenen Bereichen zu knüpfen und etliche Möglichkeiten zu testen, wie ich mein Business ausbauen kann. Zweifelsohne werden einige dieser neuen Wege Sackgassen sein. Aber wenn wir immer in Bewegung bleiben, ausprobieren und testen, werden wir gemeinsam spannende Dinge entdecken. So wird etwas Neues und Starkes entstehen. 

Lektionen für das Business 

Fokus

Falls du dich in all den Informationen verirrt hast, entspann dich und mach eine Pause. Konzentriere dich dann auf ein kleines Teil des Puzzles, das vor dir liegt. Wenn meine Studenten in Aachen zum Beispiel keine Ahnung hatten, wie es mit ihrem Projekt weitergehen sollte, riet ich ihnen, an einem kleinen Detail wie einer Tür oder einem Fenster zu arbeiten und von dort aus weiterzumachen. 

Dabei stießen sie auf interessante Informationen, die ihrem Projekt eine ganz neue Richtung geben konnten. Außerdem wurde das, was sie bereits wussten, vertieft und verbessert. Bei der Recherche über Fenster stießen sie auf eine Menge Informationen, z. B. darüber, wie eine bestimmte Holzart in einem speziellen Gebäude aus dem 18. Jahrhundert verwendet wurde. Das brachte sie plötzlich auf eine Idee, wie sie die gesamte Struktur ihres Projekts verändern konnten.

Begehe Fehler

Der einzige wirkliche Fehler ist, nicht genug Fehler zu machen. Wenn alles glatt läuft, hast du dich wahrscheinlich nicht genug angestrengt. Wie beim Skifahren gilt: Wenn du nicht fällst, lernst du nicht. Sei nicht zu vorsichtig und strebe nicht nach Perfektion. Perfektionismus macht unsicher, besonders in der Anfangsphase, wenn die Dinge oft chaotisch und verwirrend laufen. 

Als Skilehrer habe ich das oft mitangesehen: einen ängstlichen Schüler, der nie gestürzt ist und deshalb keine Chance hatte, zu lernen. Du musst Risiken eingehen und deine Grenzen austesten. Sonst wirst du nicht in der Lage sein, die nächste Stufe zu erreichen. Probiere Dinge aus, mache Dinge kaputt, fange ganz von vorne an und baue sie wieder auf. Es wird wehtun, manchmal frustrierend sein und du wirst viele Emotionen erleben. Aber du wirst immer etwas lernen und daran wachsen.

Erlange ein tieferes Verständnis

Jeder kann ein verwirrendes Diagramm zeichnen und eine 100-seitige PowerPoint-Präsentation erstellen. Nur wenn du dich außergewöhnlich anstrengst, um alle Aspekte eines bestimmten Themas zu verstehen, kannst du es auch prägnant formulieren. Das hilft dir und natürlich auch den anderen.

Bei Herzog & de Meuron habe ich einmal eine ganze Woche an einem einzigen Diagramm gearbeitet. Nach vielen Recherchen und unzähligen Iterationen hing diese eine Seite an der Wand. Es war lächerlich einfach zu verstehen, jedes Kind hätte es zeichnen können. Doch in diesem Moment wusste ich, dass ich es wirklich verstanden hatte und konnte mich getrost dem nächsten Problem zuwenden. 

Sei widerstandsfähig und verliebt in das, was du tust

Nichts für schwache Nerven. Wenn du ein einfaches und gemütliches Leben führen willst, solltest du nicht versuchen, dein eigenes Unternehmen zu gründen. Es erfordert eine Menge Durchhaltevermögen, um die ständigen und unvermeidlichen Misserfolge zu ertragen. Du musst in der Lage sein, stolz darauf zu sein, zu fallen und wieder aufzustehen. Du kannst nicht besser werden, wenn du nicht ab und zu stürzt und dich verbrennst. Es hilft sehr, wenn du liebst, was du tust, und wenn du von den Kunden, für die du es tust, fasziniert bist. Das wird dir die Energie geben, um jemand zu werden, der den Widrigkeiten trotzt und etwas aus dem Nichts erschafft.

Finde die richtigen Mitstreiter

Das Team ist alles, denn niemand kann es alleine schaffen. Jedes spannende Unterfangen ist eine Teamleistung. Auf dem schwierigen Weg des Unternehmertums musst du Netzwerke aufbauen und dich mit den besten Leuten umgeben, die du finden kannst. 

Eigentlich solltest du Mark Mansons Gesetz “Fuck Yes or No” befolgen, welches besagt, dass du, wenn du dich mit jemandem einlassen willst, egal in welcher Funktion, “Fuck Yes” sagen musst, damit du mit dieser Person weitermachen kannst. Wie findest du diese Menschen? Siehe oben, suche überall, wo du kannst, sei aufgeschlossen und hab keine Angst. Und ja, EWOR ist ein sehr guter Anfang für diesen Weg. Für mich war der Beitritt zur Akademie definitiv ein “Hell Yeah!”-Moment!

Fazit

Wie du siehst, brauchst du nicht immer einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund, um in diesem Bereich zu wachsen und zu gedeihen. Vielmehr können auch andere Bereiche, wie z.B. Architektur, viele nützliche Fähigkeiten und neue Perspektiven mit sich bringen. Bist du bereit, dein erstes Unternehmen zu gründen?

Bitte zögere nicht, mich zu kontaktieren, wenn du Fragen oder Anmerkungen haben solltest. Ich bin immer offen für ein gutes Gespräch und helfe dir gerne dabei, durch stürmische Gewässer zu navigieren!

Sebastian von Bernuth

hs@vonbernuth.cl

Want to start and grow your own business? We have the perfect solution for you. We built a platform with over 17 courses designed by serial entrepreneurs to help you build a sustainable business. You will get access to hundreds of resources, tools, legal templates, and much more. Save time and money and become more successful by subscribing to our EWOR Platform. What are you waiting for?

Sign-up now!

Über EWOR

EWOR ist eine Lernplattform, die von Europas besten Professoren, Unternehmern und Branchenführern gegründet wurde. Wir bilden junge Gründer aus und unterstützen sie dabei, erfolgreiche Unternehmen zu gründen.

Lerne mehr!

Inhaltsverzeichnis

Unsere Programme

Fellowship

Ein exklusives 10-monatiges, vollständig gesponsertes Programm, das dir dabei helfen soll, ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen.

Erfahre mehr

Academy

Ein 8-wöchiges Online-Programm, in dem du lernst, wie du ein Unternehmen gründen kannst, das einen nachhaltigen Einfluss auf die Umwelt oder die Gesellschaft hat.

Erfahre mehr

Platform

Lerne in über 17 Kursen, wie du ein Unternehmen von der Idee an aufbauen kannst.

Erfahre mehr

Abonniere unseren Newsletter

Bleib immer auf dem neuesten Stand mit unseren Newsletter!

Folge Uns

About EWOR

EWOR is a school conceived by Europe’s top professors, entrepreneurs, and industry leaders. We educate and mentor young innovators to launch successful businesses.

Learn More

Our Programs

Fellowship

An exclusive 10-month, fully-sponsored, program designed for aspiring entrepreneurs who want to make the world a better place.

Learn More

Academy

An exclusive 10-month, fully-sponsored, program designed for aspiring entrepreneurs who want to make the world a better place.

Learn More

Platform

Learn how to conceive, prototype, test, and launch an impactful venture with over 17 courses to help you start off.

Learn More

Newsletter

Don’t miss out on future content and subscribe to our newsletter!

Recommended

Wie Biohacking dich zu einem besseren Entrepreneur machen kann

Du denkst, Sport und Wirtschaft hätten nichts miteinander zu tun? Denk nochmal darüber nach! Biohacking...

Wie Du ein Erfolgreicher Content Creator Wirst

Willst du deine Reise als Content Creator antreten oder hast du bereits damit begonnen, fragst...

Wie du als Doktorand ein Biotech-Unternehmen gründest

Studierst du Technik, Biowissenschaften oder Chemie und hast eine brillante Idee? Könnte deine Forschung in...

Warum du dich einem Social Start-Up anschließen solltest

Mit einem Social Social Start-Up meinen wir keinen Workplace, der dir helfen soll, Anschluss zu...

Wie du als Start-Up-Gründer an deine ersten Kunden kommst

Als Gründer hast du vielleicht schon eine tolle Geschäftsidee und auch die technischen Fähigkeiten, die...

Was ist EdTech?

EdTech, Educational Technology beschreibt die Verwendung von Software, Hardware und Online-Plattformen des 21. Jahrhunderts in...

Follow Us

Want to start and grow your own business?

Learn how to conceive, prototype, test, and launch an impactful venture with over 17 courses.

Get access to over 300 resources including pitch-decks, investor term sheets, and contracts.

Rate this article

daniel

Daniel Dippold

Michael